Das Flamingohaus in der Metzinger Altstadt zeigt, wie mit reduzierten Mitteln qualitätsvoller, nachhaltiger und zugleich bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Als Baugruppenprojekt basiert es auf einer Haltung der bewussten Vereinfachung, Robustheit und Langlebigkeit. Räumliche und soziale Qualität entstehen dabei nicht durch materiellen Mehraufwand, sondern durch intelligente Organisation, ressourcenschonende Konstruktionen und langfristige Nutzungsflexibilität.
Die gemeinschaftliche Entwicklung durch die Baugruppe ermöglichte eine hohe Identifikation der Bewohner mit dem Projekt sowie maßgeschneiderte und zugleich wirtschaftliche Wohnformen. Der kompakte Baukörper nutzt das innerstädtische Grundstück effizient und fügt sich selbstverständlich in die kleinteilige Struktur der Altstadt ein. Klare Volumetrie, ruhige Fassaden und eine reduzierte Materialpalette verleihen dem Gebäude eine eigenständige und zugleich angemessene architektonische Präsenz. Eine durchgängige Farbigkeit ordnet den heterogen gegliederten Baukörper und schafft Bezüge zur Umgebung. Farbe wird dabei als eigenständiges architektonisches Mittel eingesetzt – nicht als Dekoration. Faschen, leicht auskragende Geschosse und französische Balkone interpretieren vertraute Elemente der Nachbarschaft zeitgemäß neu.
Die Grundrissorganisation verbindet hohe Flächeneffizienz mit Wohnqualität. Flexible Wohnungszuschnitte, Maisonettewohnungen im Dachgeschoss sowie großzügige Loggien und Balkone ermöglichen unterschiedliche Lebensentwürfe und zukünftige Anpassungen. Gemeinschaftliche Erschließungsbereiche und halböffentliche Außenräume fördern Begegnung und nachbarschaftlichen Austausch. Die kompakte Bauweise, der Verzicht auf eine Unterkellerung sowie robuste Ausbaustandards ermöglichten eine wirtschaftliche Realisierung.
Konstruktiv ist das Gebäude als ressourcenschonender Hybridbau konzipiert. Ein langlebiges Stahlbetonskelett bildet die tragende Struktur, während hochgedämmte Holzrahmenwände den Einsatz nachwachsender Rohstoffe ermöglichen und den CO₂-Fußabdruck reduzieren. Sichtbare Materialien, geschliffene Estriche und robuste Oberflächen vermeiden zusätzliche Ausbauschichten, verringern den Materialeinsatz und erhöhen die Dauerhaftigkeit der Konstruktion. Die vorbereitete Umnutzbarkeit des Parkdecks zu Wohnraum versteht das Gebäude von Beginn an als wandelbare Ressource.
Das Flamingohaus folgt einer konsequenten Low-Tech-Strategie. Natürliche Lüftung, einfache Bauteilaufbauten, eine hochgedämmte Gebäudehülle sowie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik reduzieren Energieverbrauch, Betriebsaufwand und technische Komplexität. So verbindet das Projekt ökologische, ökonomische und soziokulturelle Nachhaltigkeit.
Mit sieben unterschiedlich geschnittenen Wohneinheiten für verschiedene Altersgruppen und Haushaltsformen zeigt das Flamingohaus exemplarisch, wie zeitgemäßer Wohnungsbau durch Reduktion, Angemessenheit und Langlebigkeit einen qualitätsvollen Beitrag zur Baukultur leisten kann.
Direktauftrag
Mehrfamilienhaus
LPH 1-8
BGF 1.370 m2
Innenraumkonzept: Studio Monika Hesprich
Photos: Roland Halbe






















